Orientierung leicht gemacht

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Gwen Kaufmann, m+a - Donnerstag, 15. November 2018    


Überfordert – so fühlen sich Besucher großer Messegelände oder Kongresseinrichtungen leicht, wenn sie nicht durch Leitsysteme zu ihrem Ziel geführt werden. Diesen Service am Gast gilt es zuverlässig zu leisten, denn wem Orientierung gegeben wird, der fühlt sich willkommen.

Bei einem Konferenzprogramm mit bis zu 20 parallelen Vorträgen ist es für Teilnehmer nicht ganz einfach, Orientierung und Überblick zu behalten. Doch wenn es bei der jährlichen Konferenz der Deutschen Oracle-Anwendergruppe Doag eine Raumänderung bei einem der über 450 Vorträge gibt, kann das auf einen Knopfdruck an alle Teilnehmer kommuniziert werden. Denn – wie sollte es bei IT-Experten anders sein – alle Systeme sind integriert und vom Backend der Website aus speisen sich sowohl die Veranstaltungs-App wie auch die digitale Beschilderung im Nürnberg Convention Center Ost. Ohne Zeitverzögerung erscheinen die aktuellsten Angaben auf den Displays und weisen den Weg zum gewünschten Vortrag.

Möglich macht das die digitale Infrastruktur und Hardware, die bei der Nürnbergmesse seit Herbst 2014 im Einsatz ist. Gemeinsam mit Dienstleister Pave, Nürnberg, wurde das System entwickelt und sukzessive auf dem Gelände ausgeweitet. Inzwischen sind 154 Displays sowie 50 Quadratmeter LED-Flächen im Einsatz, die medial bespielt werden können. Auch die neue Halle 3C, die Ende 2018 fertiggestellt sein soll, wird an das System angeschlossen werden. Dann können dort ebenfalls veranstaltungsbezogene Orientierungshinweise und Werbung digital ausgespielt werden – wobei die Franken darauf achten, dass die Displays nicht ausschließlich mit Werbung ausgestattet werden, sondern immer in Kombination mit Information zur Wegeleitung. Denn die Werbeplätze sind – abhängig von der jeweiligen Branche einer Veranstaltung – durchaus begehrt. „Die Möglichkeit zur Bewegtbildwerbung auf den Displays wird gut angenommen und trägt zur Refinanzierung des Systems bei“, freut sich Lukas Handrich aus dem Bereich Facility Management der Nürnbergmesse. Er hat das Projekt von den ersten Ideen 2012 an begleitet und sieht ganz klar die Vorteile: „Die Beschilderung konnte deutlich reduziert und auch die damit zusammenhängenden Kosten konnten gesenkt werden. Für die Eingangsbereiche müssen quasi keine Schilder mehr gedruckt werden, das spart pro Veranstaltung einen erheblichen Betrag.“ Ein weiterer positiver Effekt: Die Zufriedenheit der Besucher mit der Orientierung hat sich seit der Einführung des Systems weiter verbessert.

Genau dafür sind Leitsysteme da: um Orientierung und somit Sicherheit zu geben. Gute Kennzeichnung von Wegen und Zielen ist ein Dienst am Besucher, der nicht nur digital, sondern auch analog gut durchdacht erbracht werden will. Um das 2007 eröffnete neue Gelände der Messe Stuttgart für Besucher kurzweilig zu erschließen hat Büro Uebele, Stuttgart, ein System aus bunten Bändern, Wandflächen und Schrift ersonnen, das eine Identität für Ort und Unternehmen schafft. Passend zum internationalen Treiben auf den Messen soll es ein vielsprachiges Rauschen erzeugen, bei dem die Codierung der Ziele unterschwellig funktioniert: rosafarbene Töne führen zum Kongress, grüne leiten ins Freie, rote verweisen auf die Hallen. Das Streifen-Design hat sich bewährt und einer schnellen visuellen Abnutzung standgehalten, wurde es doch für die Anfang 2018 in Betrieb genommene Halle 10 sowie den neuen Eingang West mit dem Kongresszentrum West adaptiert und um türkise Farbtöne für den zusätzlichen Kongressbereich erweitert.

 

MESSE FRANKFURT

 

Ein gelungenes Orientierungssystem muss präsent und klar sein – davon ist Peter Eckart überzeugt, denn „der Nutzer ist im ständigen wortlosen Dialog mit dem System und damit auch mit der Messegesellschaft. Das muss komplikationsfrei funktionieren.“ Der Partner der Frankfurter Agentur Unit Design ist seit fast 20 Jahren auf Informationsdesign spezialisiert und berät die Messe Frankfurt zu ihrem Leitsystem. Anlässlich der Eingliederung der neuen Halle 12, die zur Automechanika (11. bis 15. September) ans Netz gegangen ist, wurde das gesamte Informationsgefüge kritisch durchleuchtet und entschlackt. Genauso wichtig wie eine geschlossene Informationskette bis zu einem Ziel ist es, das einzelne Schild nicht zu überfrachten. Damit das stringent gelingt, gilt es eine vollständige Informationshierarchie zu erarbeiten – und bei der Beschilderung einzuhalten. „Ein Leitsystem muss seriös sein, um Vertrauen zu erzeugen. Deshalb darf es nicht effekthascherisch oder lieblich sein“, beschreibt Eckart die Anforderungen an die Optik. Der Informationsdesigner ist ein Anhänger von reduzierter Darstellungsweise. Er weiß, dass „auf der Messe so viele Farben und Informationen um Aufmerksamkeit buhlen, dass Neutralität des Leitsystems eine eigene Ebene bildet und es gut erkennbar macht.“ Statt vieler Farben setzt seine Agentur lieber auf klar definierte Piktogramme. Denn, so Peter Eckart, „der Mensch kann sich nicht mehr als fünf Farben merken.“

Noch ist das System in Frankfurt analog, die Vorbereitungen für eine digitale Ergänzung sind jedoch bereits getroffen. Diese soll am Main – wie auch bei weiteren Messegesellschaften am Rhein – in Bälde erfolgen. Dabei gilt Vorreiter Nürnberg rund vier Jahre nach Einführung von Mylocation noch immer als Benchmark was Nutzerfreundlichkeit gerade für Gastveranstalter anbelangt. Denn diese können per Weblink die Displays der von ihnen gebuchten Räumlichkeiten bespielen – oder, wie im Fall der Doag, ihre Systeme per Schnittstelle andocken. Damit findet auch bei der Doag 2018 Konferenz + Ausstellung vom 20. bis 23. November bestimmt wieder jeder Teilnehmer den richtigen Raum.


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