Es war einmal: die Cebit

Christiane Appel zum dann doch überraschenden Aus

Christiane Appel, m+a - Freitag, 30. November 2018    


Nach Ansicht der Verantwortlichen hat es sein müssen: Damit die Cebit nicht die Farbe wechselt und von den schwarzen Zahlen in die tiefroten rutscht, sagte die Deutsche Messe Europas einst führendes Digitalevent und noch früher weltgrößte Computermesse der Welt ab. Die Cebit ist endgültig Geschichte. Angesichts rückläufiger Flächenbuchungen 2019 blieb den Verantwortlichen keine andere Wahl – obwohl sie verkündet hatten, das neue Konzept vor einer neuen Entscheidung mindestens zwei Jahre spielen zu wollen. Richtig bitter: Nach Angaben der in der Regel sehr gut informierten „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ konnten bislang nur 6.000 Quadratmeter für die Cebit 2019 vermietet werden, zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres sei die gebuchte Fläche dreimal so groß gewesen. Wenn auch die großen Aussteller das neue Konzept weiter mittragen wollten: Angesichts von rund 120.000 Besuchern im Juni, von denen jedoch nur 78.000 die Aussteller in den Hallen aufgesucht haben sollen, wollten auch sie ihre Flächen deutlich verkleinern. Was nutzt die Unterstützung der (fünf) großen Aussteller und das Mittragen des neuen Konzeptes, wenn es sich für den Veranstalter nicht rechnet? Der IT-Mittelstand hatte sich schon während der Laufzeit im Juni enttäuscht abgewandt. Paradox: Meist bleiben zuerst die großen Aussteller weg, dann die mittelgroßen und kleinen. Bei der Cebit ist es umgekehrt gelaufen: Beim Gros der ausstellenden Unternehmen fiel das neue Konzept durch.

Gleichzeitig ist das Aus ein Befreiungsschlag: raus aus dem politisch Dominierten, raus aus den ewigen Vergleichen. Über 7.000 Aussteller, über 830.000 Besucher – an diesen Zahlen von 2001 mussten sich die Macher immer messen lassen. Schlussberichte mit solchen Rekorden sind in dem jeweiligen Moment ein Segen, können sich aber auch zum Fluch auswachsen. Kaum ein Vor- oder Nachbericht zur Cebit kam ohne diese hohe Besucherzahl aus. Dass seit dem Platzen der Dot-Com-Blase 2001 und 9/11 die Liebe der Aussteller und Besucher zur Cebit deutlich nachgelassen hat, wurde immer mit dieser Zahl untermauert. Und sicher hat auch die Messegesellschaft gerade in dieser Zeitspanne Anfang der 2000er Jahre nicht immer alles nur richtig gemacht. In der Folge konnten andere Veranstaltungen  ihre Relevanz ausbauen: Im Januar sagt die CES in Las Vegas, wo es langgeht, im Februar ist der Mobile World Congress für viele Pflichttermin, im März lockt Austin mit der South by Southwest (SXSW), im Juni ist Computex-Zeit in Taiwan und im September sind Berlin und Ifa angesagt. Die Cebit verlor ihren Nimbus.

Dem Team der Deutschen Messe gebührt Anerkennung für das Engagement und den Mut für den Versuch, ihn ihr zurückzugeben und wieder auf den Wachstumspfad zu führen. Respekt vor allen Beteiligten – besonders aber vor Oliver Frese. Er hat die Verantwortung für das Scheitern des mutigen Konzeptes übernommen und wird das Unternehmen verlassen.

Foto: Deutsche Messe


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