Mit allen Sinnen

Ankommen und wohlfühlen

Gwen Kaufmann, Sina Goy, m+a - Donnerstag, 6. Dezember 2018    


Stau, Hektik, Verspätungen – die Anreise zu einer Messe kann in Stress ausarten, vor allem, wenn Weg und Ziel wenig vertraut sind. Der Moment des Ankommens ist es, der alles ändern und eine positive Wendung geben kann. Für eine solche sorgt die Nürnbergmesse per musikalischer Umarmung im Eingangsbereich. „Just the way you are“ ist einer der Songs, mit denen Pianist Christian Jung die Gäste empfängt und für Wohlfühlatmosphäre sorgt. Angenehm perlt das Pianospiel den Besuchern entgegen und unterhält auf leichte Art. Das Repertoire vom Mann am Klavier umfasst vor allem bekannte und eingängige Melodien, die in eine positive Stimmung versetzen und auf einen produktiven Messetag einstimmen. Das Besondere der auditiven Darbietung ist das Live-Spiel, was die Wichtigkeit der persönlichen Begegnung subtil unterstreicht: Hier kommt die Musik nicht vom Band, sondern wird individuell aufgeführt. Durch diese akustische Untermalung starten die Messegäste beschwingt in die Hallen zu ihren Terminen.

Einen visuellen Vorgeschmack auf das, was es auf der Panorama Berlin zu entdecken gab, haben die Macher Panorama Fashion Fair Berlin und Messe Berlin bei ihrer Januarausgabe 2018 durch eine mehrere Meter hohe textile Installation gegeben. Vielschichtig in gedämpften Regenbogenfarben schwebte das Objekt über den am Eingang wartenden Besuchern und brachte Wärme in die Kälte des Berliner Winters. Die semitransparente Optik jeder einzelnen textilen Lage griff das gestreifte Key-Visual des Messemottos „Shaping Identities“ auf. Es wirkte wie ein Exzerpt der Veranstaltung, die mit ihren unterschiedlichen Ausstellungsbereichen einen breiten Überblick über die bevorstehende Saison geben will: Die Vielfalt des zu Entdeckenden in Formen und Farben und eine Haptik, die Lust auf Anfassen machte, zu einem Querschnitt zusammengestellt. Auch wenn die Installation streng genommen nur den Sehsinn adressierte, konnte sie auch auf das taktile Wahrnehmen sowie das Temperaturempfinden eine Wirkung entfalten und somit multisensorisch erscheinen.

Um Besucher der Erstveranstaltung der Hypermotion in das passende Mindset zu versetzen, hatte sich die Messe Frankfurt besondere Assistenten in mehrfacher Ausführung an die Seite geholt: Alexa, den Amazon Voice Service. Die Ende November 2017 gelaunchte Plattform für intelligente Transportsysteme bot einen Mix aus Ausstellung, Konferenzen, Pitches und Hackathon. Im Fokus: digitale Lösungen. Dazu passte die smarte Begrüßung durch mehrere Alexa-Geräte, die im Vorfeld mit allen relevanten Informationen rund um das Format gespeist worden war. Im Verlauf der Veranstaltung standen sie 1.230 Fragen Rede und Antwort – Framing auf digitale Interaktion inklusive. Eine verbale Interaktion, die durch Nutzung digitaler Technologie eine multisensorische Dimension erhielt.

Während auf Messen, die durch ihre physische Präsenz per se multisensorisch sind, die Sinne Hören, Sehen und Tasten in großer Bandbreite angesprochen werden, wird vor allem der Geruchssinn noch wenig gezielt adressiert. Was in der Hotellerie Gang und Gäbe ist, nämlich dass Hotelmarken einen „Corporate Scent“, einen eigenen Markenduft, haben, der Gäste beim Betreten eines Hauses empfängt, ist dies in der Messebranche noch wenig verbreitet. In den letzten Jahren wurden zwar die kulinarischen Angebote zusehends aufgerüstet, um Gastlichkeit zu unterstreichen, beim gemeinsamen Essen die Gespräche zu vertiefen und nebenher auch den Geschmackssinn zu aktivieren. Doch das olfaktorische Umschmeicheln steht noch hinten an. „Weniger als zehn Prozent der Aussteller integrieren Duftmarketing in ihr Konzept“, weiß Elke Kies, Geschäftsführerin Magic Box, Neuss. Dabei gilt der Geruchssinn in der Neurowissenschaft als mit der wichtigste Sinn, da Gerüche ungefiltert bis ins limibische System vordringen. Dadurch verbinden sie sich unmittelbar mit Emotionen und haben so eine bessere Chance, im Gedächtnis zu bleiben. Für Marken, die im Getummel einer Messe gut in Erinnerung bleiben wollen, also eine Chance. Die Duftexperten von Magic Box helfen beim Finden von Düften passend zur Optik des Standes und der jeweiligen Zielsetzung. Typischerweise sind Aktivierung und positive Eindrücke gewünscht. „Beruhigende oder aphrodisierende Düfte verwenden wir nie in diesem Kontext“, sagt Elke Kies. Ein Aroma mit anregender Wirkung hingegen dürfte besonders häufig zum Einsatz kommen: Rosmarin.

Foto: Messe Frankfurt / Pietro Sutera


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