Kommentar: Messe Frankfurt baut neuen B2B-Marktplatz - im Netz

Christiane Appel zum Vorhaben Nextrade

Christiane Appel, m+a - Dienstag, 26. Februar 2019    


Das berühmte Neuland. Still und leise bahnt sich bei der Messe Frankfurt wirklich Neues an: „eine kleine Revolution in einer Branche, die bisher ihren Kunden außer der ‚klassischen Denke‘ und einigen messebegleitenden Services nicht viel zu bieten hatte.“ Paradigmenwechsel wäre zu hoch gegriffen, aber eine Zäsur ist es schon: Das Unternehmen baut einen B2B-Marktplatz im Netz, eine Art Amazon für alle Handelsformate. „Der Markt wartet nicht, er will innovative Lösungen, die ihm das Leben einfacher machen, die kostengünstiger sind und die neue Möglichkeiten eröffnen.“ Den Launch des Projektes Nextrade verkündete sie im Vorfeld ihrer Ambiente. Mit ihm soll der Konsumgüterbranche eine weltweite Orderplattform geboten werden – 365 Tage im Jahr rund um die Uhr. „Wir haben unsere weltweit über 49.000 Aussteller und 1,8 Millionen Facheinkäufer zwar an wenigen Tagen unter dem Dach einer Messemarke zusammengeführt, sie aber bisher an den restlichen 360 Tagen … schlicht alleingelassen.“ Eine Messe im Netz, ein „Digital Market“: Auch dort begegnen sich Handel und Lieferanten, um Geschäfte miteinander zu machen. Besonders adressiert die Messe Frankfurt mit ihrem neuen Angebot die kleineren Einzelhändler. Sie sollen sich dort weltweit Produkte aus den Bereichen Haushaltswaren, Heimtextilien und Accessoires sowie verwandten Sortimenten beschaffen können. Dazu kommt: Angesichts der Fülle des Angebots schafft es ein Einkäufer kaum, alle Messehallen zu erkunden oder wenigstens zu scannen. Auch hier soll Nextrade Abhilfe schaffen. Für die Verantwortlichen ist das Vorhaben deshalb eine wichtige Ergänzung zur Messe, Besuche nachzubereiten oder Lieferanten im Netz aufzusuchen, zu denen die Messegäste es real nicht mehr geschafft haben.

Aufbauen wird die Messe Frankfurt diese Plattform zusammen mit Nmedia, einem Düsseldorfer IT-Dienstleister, an dem sie auch gleich eine Minderheitsbeteiligung erworben hat. Mit Option auf mehr, sollte das Geschäft fliegen. Knackpunkt: Die Produzenten und Vertriebsfirmen müssen auf Nextrade auch zu finden sein, sich jeder mit einem eigenen Shop präsentieren. Die Wahl fiel auch deshalb auf Nmedia, weil die Düsseldorfer im Handel und bei Nonfood-Lieferanten bereits viele Kunden haben. Rund 500 Lieferanten und rund 1.000 Händler wird das Netzwerk vom Start weg haben.

Die Zitate sind übrigens alle aus dem Jahr 1998 und stammen von Raimund Hosch, zu diesem Zeitpunkt Geschäftsführer der Messe Frankfurt zur Einführung des hochgradig innovativen und vorwärts gerichteten Projektes Messe 21. Die Prognose damals – Zitat aus der Presseinformation vom 29. September 1998: „Während die Messe Frankfurt heute rund 80 Prozent ihres Umsatzes (1997: 470 Mio. DM) im klassischen Messegeschäft erzielt, werden dies in zehn Jahren voraussichtlich lediglich 50 Prozent sein. Dann sollen rund 40 Prozent der geplanten Erlöse auf 1,5 Mrd. DM im neuen Geschäftsfeld ‚Medien & Services‘ erzielt werden.“ Nur: Messe 21 hat nie abgehoben. Der Markt heute dürfte deutlich weiter sein.

Foto: Messe Frankfurt / Pietro Sutera


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