Trendshow

Zukunftsszenarien auf der Heimtextil

Annika Dammann, m+a - Dienstag, 12. März 2019    

Zukunftsszenarien auf der Heimtextil

Wie werden sie aussehen, unsere zukünftigen Räume? Welche Textilien und Stoffe, welche Farben und Materialitäten werden uns begegnen im Bereich Wohn- und Objektgestaltung? Unter dem spannenden Motto „Toward Utopia“ zeigte die Heimtextil im Januar in Frankfurt die neue Trendsaison auf. Gemeinsam mit dem Londoner Studio Franklin Till und den Trendforschern Anne Marie Commandeur vom Stijlinstitut Amsterdam und Anja Bisgaard Gaede von Spott Trends & Business entwickelte die Leitung der Heimtextil eine Prognose für perspektivisches Interior Design und lieferte in dem neu entwickelten Trend Space Einblicke in künftigen Stilwelten. Die Lifestyle-, Textil- und Farbneuheiten wurden dabei nicht nur einfach präsentiert, sondern zugleich in einen größeren Kontext gestellt: Fünf Szenarien – mögliche individuelle Lebens-Utopien – ließen einen Blick in die Zukunft werfen.

Auf Basis der Prognosen der Trendforscher entwickelte das Frankfurter Atelier Markgraph eine immersive Erlebniswelt – den sogenannten Trend Space. Auf 3.000 Quadratmetern Fläche luden die Kreativen auf eine Entdeckungsreise durch fünf Mikrokosmen, den Trend Stages. Hier konnten die Besucher mit allen Sinnen in die Wohnwelten von morgen eintauchen, die fünf Bereiche entsprachen dabei fünf unterschiedlichen zukünftigen Lebenskonzepten. Jedes dieser Szenarien war durch ein ikonisches Landmark und ein in sich stimmiges, eigenes Farbkonzept gekennzeichnet, das die Aussage räumlich transportierte und zugleich als Blickfang diente.

Farbenfroher Eyecatcher war unter anderem die Trend Stage „Pursue Play“, die in Zeiten von politischer Instabilität und Ungewissheit dem Wunsch und Bedürfnis nach Optimismus und Kreativität im Spiel nachging: Auf einer Textilschaukel konnten Besucher Botschaften auf Monitoren „freischaukeln“. „Enjoy yourself in the flow of fantasy“ und ähnliche Slogans motivierten die Gäste zum weiterzumachen. Die ausgestellten Textilien in satten Primärfarben und mit spannender textiler Beschaffenheit wurden aufmerksamkeitsträchtig vor der Hintergrundfarbe Gelb präsentiert.

Mit einem völlig anderen Erscheinungsbild präsentierte sich „Seek Sanctuary“: Helle sanfte Farben einer minimalistischen Farbpalette und leichte, transluzente zu einem Tunnel abgehängte Textilien standen in maximalem Kontrast zur farbenfrohen, gegenüberliegenden Welt und zollten dem Wunsch nach Rückzug und utopischem Zufluchtsort in einem intensiven, hypervernetzten Alltag Respekt. Mithilfe von Kopfhörern inklusive Meditationssound oder Entspannungsanleitung konnten die Besucher selbst für einen kurzen Moment dem Hier und Jetzt entfliehen.

Raum für taktiles Wahrnehmen bot die Trend Stage „Embrace Indulgence“. Hohe mit altrosa Samt bezogene Arkadenbögen luden mit Fühlboxen dazu ein, Stoffe und Materialien nicht rein visuell wahrzunehmen. Zwei scheinbar gegensätzliche Welten thematisierten die Bereiche „Escape Reality“ und „Go off-grid“: Während die Besucher in einem rotierenden Kaleidoskop der Wirklichkeit entfliehen konnten, stand ein futuristisches Outdoor-Zelt stellvertretend für den Wunsch nach einer neuen Naturverbundenheit.

Nicht zuletzt diente die sogenannte Connecting Zone, also die Flächen, die die Trend Stages voneinander trennte respektive verband, zum kreativen Austausch und zur Vernetzung. Interaktivität wurde dabei groß geschrieben: Während eine audiovisuelle Installation zum Nachdenken und Teilen eigener Gedanken anregte, lud die Selfiestation inklusive Accessoires und festmontiertem Selfiestick zum Fotografieren vor der eigens errichteten Themenwand – und wurde so zum viralen Verbreitungsinstrument. Ein Vortrags-Areal mit Vorträgen über den Tellerrand hinaus sowie das Trend Café boten zudem Inspiration und Austausch.

„Der neue ‚Trend Space‘ der Heimtextil überzeugte mit interaktiven und taktilen Erlebniswelten. Der Besucher wurde spielerisch inspiriert, involviert und motiviert, sich mit futuristischen, räumlichen Gestaltungskonzepten auseinanderzusetzen“, erläutert Olaf Schmidt, Vice President Textiles & Textiles Technologies der Messe Frankfurt, das Konzept zum Teilnehmen. „So entsteht ein umfassendes Bild zu Gestaltung zukünftiger Räume und wir erhalten Antworten auf die Fragen, wie wir künftig interagieren, konsumieren, leben und arbeiten“, so Schmidt weiter.

Allein die Lage des Trend Spaces, der mit vielfältigen szenografischen Installationen das Thema spannend aufbereitete, schien nicht ganz zu passen. Um zum Trendraum zu kommen, musste der gewillte Besucher erst die Halle 3.0 durchqueren – vorbei an Anbietern von Drucktechnologien und Kleinstausstellern; ein eher mäßig anregendes Ambiente. Lediglich der breite, auf den Boden aufgebrachte Pfeil mit dem Motto „Toward Utopia“ hielt die Besucher dabei auf Kurs. Man hätte dem Trend Space, der hier seltsam verloren wirkte, eine passendere Umgebung gewünscht – eine, die seiner inhaltlichen und gestalterischen Ausrichtung gerecht wird.

Trend Space

Kunde Messe Frankfurt, Frankfurt

Trendkonzept Franklin Till Studio, London

Trend Council Franklin Till Studio, London / Spott Trends & Business aps, Herning / Stijlinstituut Amsterdam, Amsterdam

Räumliche Inszenierung Atelier Markgraph, Frankfurt

Messebau Messe Frankfurt, Frankfurt

Größe 3.000 Quadratmeter

Bannerfoto: Kristof Lemp


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