Kommentar: Raue Zeiten für die Schweizer Uhrenindustrie

Christiane Appel über eine Baselworld auf der Suche

Christiane Appel, m+a - Montag, 8. April 2019    

Christiane Appel über eine Baselworld auf der Suche

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Und wer seine Zukunft nicht aktiv steuert, steuert in eine unbekannte Zukunft – Sprüche, die in jedes Poesiealbum passen. Und (derzeit) auf die Baselworld. Das Format hat in den letzten zehn Jahren einen unglaublichen Höhenflug erlebt und steckt jetzt in einer fast unwirklichen Abwärtsspirale. Die Kontraste sind immens. Eben noch die Ausnahmeerscheinung in der Messelandschaft, jetzt eine normale Veranstaltung down to earth mit eben solchen Problemen. Der Unterschied: Wenn sich etwas in eine positive Richtung entwickelt, sind immer alle gerne dabei. Dreht es sich nach unten, wird die Schuld auf wenigen Schultern verteilt. In diesem Fall: denen der Schweizer Messemacher der MCH. Das Größer, Höher, Weiter war nie ein Problem, im Gegenteil. Wer profitieren konnte, profitierte: Hotels, Gastgewerbe, Privatmenschen, die ihre Wohnungen vermieteten. Die Party ist vorbei. Und mit ihrem Ende kam der Kater. Das muss nicht immer ganz schlecht sein. Manchmal hilft er ja auch, sich neu zu ordnen. Und genau in diesem Prozess steckt gerade die bekannteste Schweizer Messe, die sich als „The Watch and Jewellery Community“ neu zu finden sucht. Show war gestern. Wenn auch Uhren als der drittgrößte Exportschlager der Schweiz gelten: Traditionelle Zeitmesser sind ein bisschen aus der Zeit gefallen. Eine Messe kann kaum glänzen, wenn die Schweizer Vorzeigebranche Uhrenindustrie erodiert. Und immer mehr Hersteller den Messetermin nutzen, sich abseits der Hallen zu inszenieren. Konsequenz: Die Messemacher wollen mehr Aussteller aus dem Ausland bei sich begrüßen. Nicht nur aus dem Uhren-, sondern auch aus dem Schmuckbereich. Überhaupt soll diesem mehr Gewicht verliehen werden. Das spiegelt sich auch im Ausstellerbeirat wieder. Dort soll künftig nicht nur die Schweizer Uhrenindustrie vertreten sein, sondern auch andere wichtige Uhrenländer wie Japan, oder die Schmuckbranche. Zweite wesentliche Weichenstellung: Die Messemacher wollen mehr Technologie wagen, sind die größten Uhrenhersteller der Welt doch nicht mehr Swatch oder Rolex, sondern Unternehmen wie Apple. Hersteller von Smartwatches und Wearables können künftig auch in Basel ausstellen. Baselworld-Chef Michel Loris-Melikoff laut Presseinformation: „Wir werden den Wandel mit großer Energie und Leidenschaft angehen.“ Groß eine andere Wahl haben sie auch nicht. Um im Poesiealbum-Modus zu enden, hier noch ein Zitat Leo Tolstois: „Denke immer daran, dass es nur eine allerwichtigste Zeit gibt, nämlich: sofort.“

Foto: MCH Group / Volker Renner

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