Böden

Verbindungselement

Gwen Kaufmann, m+a - Donnerstag, 11. April 2019    


„Der Boden ist die Bühne jeden Interiors“, benennt Designer Sebastian Herkner die verbindende Bedeutung von Teppichen und Bodenbelägen für einen Raum. „Seine Materialwahl beeinflusst die Art und Weise, wie wir im Raum leben und kommunizieren.“ Als Referent auf der Domotex im Rahmen der Framing Trends beleuchtete Herkner das Leitthema der Vernetzung an den Schnittstellen von Architektur, Innenarchitektur und Design. Denn um Verbindung, Vernetzung und Konnektivität drehte sich in Hannover alles. „Hersteller und Einkäufer sowie Partner, Architekten und Designer aus aller Welt vernetzen sich auf der Domotex. Es entstehen neue Geschäftsbeziehungen und Kooperationsmöglichkeiten über die man vorher nie nachgedacht hätte“, erklärt Sonia Wedell-Castellano, globale Projektleiterin der Domotex. „Dafür steht auch unser diesjähriges Leitthema Create ‘n‘ connect.“

Greifbar machte das die Sonderfläche Framing Trends in Halle 9. In dieser Form im zweiten Jahr umgesetzt, bot sie eine Themenbündelung mit außergewöhnlichen Inszenierungen innovativer Produkte, gestaltet von Herstellern, Künstlern, Designern und Studierenden. Das Konzept kam an: Vor allem internationale Architekten, Designer, Planer und Influencer begriffen die Framing Trends als Herzstück der Veranstaltung und zentralen Anlaufpunkt für Inspiration. Das Format brachte durch die gebündelte und gleichzeitig ausgefallene Darstellung die Besucher zusammen und förderte den fachlichen Austausch sowie eine lebendige Vernetzung untereinander.

Highlight der Networking-Plattform auf der Fläche war das von Schmidhuber, München, konzipierte Connectivity Wheel, das visuelle Attraktion und spielerische Interaktion zugleich war. Besucher konnten in das aus farbigen Glasfacetten zusammengesetzte Rad einsteigen und es durch eigene Schritte in Bewegung versetzen. Durch den Schwung entstand nicht nur ein Moment der Dynamik, sondern auch farbige Lichtreflexe, die die umliegenden Bodenbelägen von Carpet Concept in sich ständig ändernden Mustern zum Leben erweckten. Eine gelungene Versinnbildlichung der sich durch Vernetzung verändernden Lebensstile und Verhaltensmuster im digitalen Zeitalter. Das Rad verband Licht, Material und individuellen Einsatz zu einem einzigartigen Besuchererlebnis und unterstrich die beständige Interaktion von Boden und Raum.

Dem Bedarf nach Vernetzung trugen auch die gezeigten Produkte der Austeller Rechnung. Der französische Teppichanbieter Balsan, Arthon, stellte seine Symbiance Kollektion vor, die Luxus Vinyl Tiles (LVT) und Teppich miteinander verbindet. In natürlichen Farben und Designs gehalten, lassen sich Fliesen, Planks und Bahnenware in beliebigen Farbvariationen und -kombinationen miteinander kombinieren.

Ein weiteres großes Thema war die Verbindung von Boden und Wand, das ebenfalls auf der Sonderfläche aufgegriffen wurde. Passend zum Leitthema der Konnektivität kreierte Fletco Carpets unter dem Titel Brand Identity gemeinsam mit Kunden einen speziell angefertigten Boden aus digital bedruckten Teppichfliesen und einem abgepassten Teppich. Der größte Teil der Bodenfläche war mit einem präzise abgebildeten Motiv bedruckt, um den Kontrast zur verpixelten Außenzone zu betonen. Sie setzte sich an den Wänden fort, um die Möglichkeiten der Digitaldrucktechnologie darzustellen, gleichzeitig aber eine Einheit von Wand und Boden zu schaffen. Auch weitere Anbieter trugen dem Rechnung: Das System Ô MUR des gleichnamigen französischen Herstellers ermöglicht eine einheitliche Gestaltung von Wand und Boden. Mit dem Wandmontagesystem lassen sich Parkettböden mit Klickverbindung horizontal wie vertikal an Wänden anbringen. Der Kork-Spezialist Granorte, Rio Meão, zeigte 3D Wandfliesen in fünf verschiedenen dreidimensionalen Prägungen, die sich für individuelle Wandbilder beliebig miteinander kombinieren lassen. Hergestellt aus recyceltem Kork hat das Produkt nicht nur akustische und thermale Eigenschaften, sondern bedient auch den zunehmenden Wunsch nach nachhaltigem Ressourceneinsatz. Durch passende Wahl des Bodens aus der Kollektion des portugiesischen Anbieters entsteht ein einheitliches Gesamtbild.

Dreidimensionalität lässt sich auch auf dem Boden umsetzen, etwa mit dem Olbia Flor des österreichischen Anbieters Tisca-Textil, Thüringen/Voralberg. Aus dem aus Schafwolle handgefertigten Teppichen recken sich an Seeanemonen erinnernde Tentakel hervor und ergeben eine lebhafte, voluminöse Strukturlandschaft.

Bei Böden kommt es jedoch nicht nur auf die Optik an, die Strapazierfähigkeit ist ein zentrales Merkmal. Auf besondere Widerstandsfähigkeit setzt deshalb Li & Co., Müstair/Schweiz mit der Produkt-Premiere Lipur. Der umweltfreundliche Designboden wird ohne PVC, Chlor, Weichmacher und Phthalate hergestellt und ist recycelbar. Angeboten werden 15 unterschiedliche Holz- sowie fünf Steinoptiken. In der HDF-Variante mit 9,5 Millimetern Stärke ist die Green Trittschallunterlage direkt integriert und sorgt dadurch gleichzeitig für Gelenkschonung.

Doch nicht nur mitunter zufällig wirkende organische Formen waren zu sehen, auch grafische Klarheit wurde als Musterung erneut gezeigt – dann aber gerne in neuen Materialitäten. Javi Home, Karnal/Indien, präsentierte seine Hair on Leather-Kollektion mit klaren Linien in schwarz-weiß Kontrasten ebenso wie abgestufter Tonalität. Dass grafische Mustern nicht kühl und kantig sind, belegte Prado Rugs, Hersteller und Exporteur von maschinell hergestellten Teppichen aus Ägypten. Er überraschte mit Wollteppichen, die den patentierten Gestaltungsprinzipien der Bio Geometry folgen. Demnach sollen geometrische Muster mit speziellen Kreisen, Winkeln sowie wellenförmigen Mustern harmonisierende und heilsame Effekte hervorrufen, indem sie – je nach Motiv – vorrangig positive Energien im Raum und im Körper aktivieren. So weitreichend kann die Wirkung von Boden auf das Wohlbefinden sein.


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