Pressemitteilung: HerCareer

Innovation Cowgirls: Barrierefreies Denken braucht selbstermächtigte Frauen

messe.rocks - Donnerstag, 15. August 2019    

Wolf-Lotter-HerCareer
© Sarah-Esther Paulus

„Emanzipation und Innovation muss man selber machen“

Innovation ist der Weg zu einer besseren Zukunft – auch für Frauen, betont der Publizist, Vortragsredner und Mitgründer des Wirtschaftsmagazins „brand eins“. Mit seinem aktuellen Buch „Innovation. Streitschrift für barrierefreies Denken“ kommt er zum Authors-MeetUp auf die herCAREER 2019. Sein Ansatz für Veränderung: Organisationen müssten mehr Frauen und Männern in die Selbstermächtigung und Mitgestaltung bringen.

„Innovation ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Kultur und der sozialen Veränderung, die zu einer Verbesserung führt. Wir brauchen Veränderung FÜR etwas“, erklärt Wolf Lotter. Dass Innovation wirklich mehr Qualität bringe und nicht einfach mehr vom Gleichen, daran mangle es allerdings in Unternehmen. Ein wesentlicher Grund: An Innovation nähmen zu wenig Mitarbeiter teil. „Das Innovative findet immer auf Grundlage einer breiten Wissensbasis statt. In der Praxis ist Innovation aber sehr elitär – manche Menschen haben wir überhaupt nicht auf der Karte“, so der Publizist.

Es werde wichtiger, originäre, unterscheidbare Arbeit zu leisten – also Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. „Mit barrierefreiem Denken meine ich im Sinne von Kants Aufklärung den Mut, selbst zu denken und zu gestalten.“ Dagegen sträubten sich jedoch viele Menschen, und zwar auf allen Hierarchieebenen. „Der Widerstand gegen Verantwortung und Selbstbestimmung ist größer bei denen, die sie übernehmen sollten als bei denen, die sie abgeben würden. Die derzeitigen Probleme haben wir nicht nur von oben nach unten.“

Frauen sind veränderungsbereiter

Doch die Veränderungsbereitschaft von Frauen ist laut dem Autor von brand eins größer als die der Männer. „Die Frauen haben verstanden, dass sie selbst gefragt sind. Die stärkere Beteiligung an Führung wird ihnen nicht frei Haus geliefert.“ Frauen hätten einen starken Gestaltungswillen und stellten die nötigen Fragen. Für sehr technikaffine Kunden, darunter viele Männer, sei der Gesamtnutzen oder gute Bedienbarkeit zweitrangig. „Es ist ein Riesenvorteil, wenn man nicht kulturell gelernt hat, dass man alles mit Lämpchen und Schwachstrom toll finden muss. Es werden vernünftigere Produkte gemacht, wenn Menschen nicht nach quantitativen Superlativen fragen, sondern nach Qualität und Ergebnissen.“

Neben innovativen Produkten gelte es, soziale Fragen von Innovation zu beantworten, beispielsweise danach, was es brauche, damit eine Frau mit zwei Kindern Vorstandsvorsitzende sein könne. „Bisher hat es geheißen, wenn Du als Frau in die Chefetage willst, musst Du Dich so verhalten wie die Männer.“ Für eine wirkliche Neugestaltung müsse man Organisationen jedoch dem Menschen gemäß formen. Das klinge für manche Ohren utopisch. „Viele finden es eine absurde Vorstellung, dass sich das Unternehmen den Mitarbeitern anpassen muss und nicht umgekehrt.“

Vorsicht Dogmatismus! Der lauert auch in der Geschlechterfrage

Dabei warnt der Wirtschaftsessayist Lotter vor zu viel Idealismus, der schnell in Dogmatismus abgleite. „Wenn Sie jemand bevorzugen, weil er männlich oder weiblich ist oder eine bestimmte Herkunft und Ausbildung hat, dann kommen wir nicht weiter. In der Wissensgesellschaft brauchen wir die Talentiertesten, die echte Problemlösungskompetenz haben.“ Die Quote wird laut Wolf Lotter das Grundproblem der Fairness nicht lösen. „Eine quotierte Form von Gerechtigkeit ist eine Ungerechtigkeit. Gleichheit ist nicht gerecht. Es gibt nur eine Einzelgerechtigkeit. Wir müssen dem Individuum gerecht werden.“

Als Lösung, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, schlägt der Autor individuellere Ausschreibungsverfahren vor. Heute achteten Recruiter noch zu oft auf formale Kriterien. Gleichzeitig ruft er Frauen zu „mehr Radikalität und fundamentalerem Denken“ auf. Häufig gingen sie Veränderung nur vorsichtigst an. Als Aufruf zu Rebellentum will er dies gleichwohl nicht verstanden wissen – das laufe nur auf kurzfristigen Aktionismus hinaus, auf das alte Machtspiel, den Tausch der Köpfe, der nichts am System verändere. „Ich will keine neuen Chefs und Chefinnen, sondern selbstbestimmte und selbstermächtigte Menschen. Innovation und Emanzipation muss man machen und nicht darauf warten, dass es jemand genehmigt“, so Wolf Lotter. Dafür legt er Frauen ein Motto ans Herz, das man Clint Eastwood zuschreibt: „Wir reiten in die Stadt, der Rest ergibt sich.“

Auf der herCAREER vom 10. bis 11. Oktober 2019 in München stellt Wolf Lotter sein aktuelles Buch „Innovation. Streitschrift für barrierefreies Denken“ vor und geht in den Meinungsaustausch mit dem Publikum.

Das komplette Interview mit Wolf Lotter zum Thema Emanzipation und Innovation finden Sie hier: Wolf Lotter: „Emanzipation und Innovation muss man selber machen“


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