Viel Raum für Kommunikation

IAA-Veranstalter VDA agiert aus der Defensive

Christiane Appel, m+a - Freitag, 6. September 2019    

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© VDA

„Playing possum“, das heißt nichts anderes als „sich totstellen“. Schreckstarre trifft es im Deutschen eher, ein Zustand völliger Bewegungsunfähigkeit. Der tritt ein, wenn ein Tier von einem Fressfeind bedroht wird oder aus anderen Gründen in eine plötzlich auftretende Stresssituation geraten ist. Sich bei Gefahr einfach tot stellen, das scheint ein wirksamer Überlebenstrick. Zumindest im Tierreich. Welcher Gattung wohl der VDA zuzurechnen ist? Der Verband der Automobilindustrie scheint wie gelähmt angesichts der Entwicklungen seines einstigen Flaggschiffs IAA, das 2015 auf dem Höhepunkt war – und bereits zu diesem Zeitpunkt abzusehen, dass es so nicht weitergehen würde.

Vor zwei Jahren hat VDA-Mitglied Daimler dem Verband vorgeführt, welche Erwartungshaltung er an eine zukunftsgewandte Leitmesse für Mobilität hat – und die Me Convention gelauncht. Das Format in der Festhalle, dem angestammten Ausstellungsort, fand viel Beachtung und Zuspruch. Ein deutlicher Weckruf. Ein sicherer Indikator für die Entwicklung einer Messe: die örtliche Hotelbranche. Was die diesjährige Internationale Automobilausstellung angeht, senkt die Frankfurter den Daumen. „Die Entwicklung ist dramatisch, aber nicht unerwartet“, sagt etwa Bernhard Haller, Leiter des Mövenpick Hotels in unmittelbarer Nähe des Messegeländes. Die schlechte Entwicklung habe sich aber schon 2017 abgezeichnet, so Haller in der „FAZ“. „Messen sind Teil der Optimismusindustrie“ hatte einst ein Verbandshauptgeschäftsführer formuliert. Das hätte er dem VDA ins Stammbuch schreiben sollen, der wohl gehofft hat, die 2017er Delle ginge vorbei und alles werde wie früher.

Argumente für seine IAA kann er, so mutet es an, seinen Mitgliedern keine liefern, dafür verschickt er „Bettelbriefe“ und bittet sie (verzweifelt?) „uns in der Kommunikation zur IAA 2019 jetzt noch einmal aktiv zu unterstützen“. Zusätzlicher Casus Knacksus: „Ihre Mitwirkung ist in diesem Jahr wichtiger denn je, denn Kritiker versuchen die IAA 2019 in ein falsches Licht zu rücken.“ Gruppen wie „Sand im Getriebe“ und „Steine ins Getriebe“ heißen zwei, die sich lautstark gegen die Automobilindustrie wenden und aktuell mehr Aufmerksamkeit generieren können als die bevorstehende Show. Wer sich mit Mobilität und Zukunft auseinandersetzt, den zieht es aktuell eher nach Berlin. Nein, nicht zum VDA, sondern auf die Ifa und Shift Automotive. Nochmal zurück ins Tierreich (Autos werden ja auch in Pferdestärken gemessen): Es gibt Tiere, die stellen sich tot, um zu verwirren, was sie verspeisen möchten. Sie machen einen auf Leiche, um aasfressende Krähen anzulocken. Wagt sich eine in die unmittelbare Nähe des vorgeblich Toten, wird sie gepackt und gefressen. So herum gesehen hat der VDA noch die besten Chancen.

 


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