Auslandsengagement III

Auslandsengagement III

Nachfrageorientiert

Deutsche Aussteller können sich bei ihrer Beteiligung auf Auslandsmessen fördern lassen – in Form von Gemeinschaftspavillons, den „German Pavilions“.  Mit wenig Aufwand und weniger Budget haben sie die Möglichkeit, sich global zu engagieren. Die Auswahl, auf welchen Messen sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) sowie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) engagieren sollen, erfolgt überwiegend auf Vorschlag der exportorientierten Organisatoren der Wirtschaft, die der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft Auma koordiniert. Rund 330 bis 340 Vorschläge landeten jedes Jahr auf einer Longlist, die die gut 50 Verbände vorschlügen, sagt Marco Spinger, Geschäftsbereichsleiter Globale Märkte & IT in dem Berliner Verband. Dieser Wunschzettel werde im Haus geprüft und müsse dann eingedampft werden. Das geschehe in Rücksprache und in enger Abstimmung mit den Verbänden, die dann aufgefordert würden, eine Prioritätenliste festzulegen. „Die Gesamtzahl der Messen, auf denen Beteiligungen gefördert werden, die gibt das Bundeswirtschaftsministerium vor“, so Spinger.

Doch stellt sich die Frage, ob das Auslandsmesseprogramm politisch beeinflusst ist. Eine Annahme, die der Auma entschieden zurückweist. Der Verband sei lediglich Partner, wenn es um Exportförderung geht. Allein die Wirtschaftsorganisationen legten fest, wo es hingeht. Das Auslandsmesseprogramm sei rein an der Nachfrage orientiert. Der Ausschuss betreibe allerdings Lobbyarbeit für die Erhaltung des Programms, heißt es aus Berlin. Das Problem: Dessen Etat wird nicht weiter erhöht, trotz andauernder Nachfrage und Teuerungsrate.

Doch wo will die ausstellend Wirtschaft hin? Das weiß sie ganz genau: Seit Jahren zieht es sie nach China. Im letzten Jahr profitierten 1.607 Unternehmen auf 51 Beteiligungen vom geförderten „Gateway to China“. Für 2018 sind 51 Veranstaltungen geplant – das Land ist und bleibt wichtiger Exportmarkt. Auch die Russische Föderation bleibt nachgefragt. Für 2018 sind dort 33 Beteiligungen geplant. Im Iran kletterte die Anzahl der Beteiligungen von sieben im Jahr 2016 auf 13 in diesem. Im vergangenen Jahr zog es 247 Teilnehmer dorthin, in diesem bereits 532. Im Jahr 2015 lag das Interesse bei null. In der Türkei hält sich die deutsche Wirtschaft aktuell zurück, ist aus den Eckdaten des Auslandsmesseprogramms abzulesen. Waren es im Jahr 2016 noch elf Beteiligungen, sind es in diesem nur sechs. Und für 2018 sind nur sieben Beteiligungen geplant. Eine deutliche Zurückhaltung ist auch in den USA zu spüren, gerade bei Erstveranstaltungen reagiert die deutsche Wirtschaft verunsichert. 2016 nutzten 656 Unternehmen eine geförderte Messeteilnahme in den Staaten, in diesem Jahr liegt die Zahl der Teilnehmer unter 500.

Für welches Land sich Aussteller auch immer entscheiden, will man als Unternehmen global agieren, muss man auch global aktiv sein. Das heißt: Face-to face Interaktionen auf Auslandsmessen mit potentiellen ausländischen Kunden. Das Auslandsmesseprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums ist ein guter Ansatz zur Förderung der Auslandsbeteiligung deutscher Aussteller und bietet einige Vorteile, den eigenen Auftritt effektiv zu gestalten.

Sie haben die Teile 1 und 2 unserer Serie noch nicht gelesen? Dann finden Sie sie unter den verwandten Artikeln.

Foto: Leipziger Messe International

_ch@expocheck
10. November 201711:15

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