Digital? Nicht banal!

Digital? Nicht banal!

Services abseits des Messegeländes

Es waren große Pläne, mit denen die Panorama Berlin Ende 2015 an die Öffentlichkeit gegangen war. Panorama Digital, gestartet mit der Messe-Ausgabe im Januar 2016, sollte so etwas wie die Revolution des Messewesens werden. So äußerte sich zumindest Panorama-Chef Jörg Wichmann seinerzeit gegenüber dem Branchendienst Textilwirtschaft, Schwestertitel des m+a report in der dfv-Mediengruppe. Der Plan klang durchaus überzeugend: Eine physische Messe scannen und digitalisiert echtes Messeflair zur Verlängerung der Präsenzveranstaltung ins Internet bringen: Die durch Roboter erfassten biometrischen Daten bildeten die Grundlage, um aus der physischen eine virtuelle Messe zu machen.

Doch trotz hoher Erwartungen blieb der Erfolg aus: Die Panorama hält nicht länger an ihrem Digitalprojekt fest. Zwar hat sie nach Angaben von Wichmann einen „siebenstelligen Betrag“ in Panorama Digital investiert, zur jüngsten Ausgabe im Januar 2018 aber nur noch eine deutlich abgespeckte Version realisiert. Das Format sei zu wenig „convenient“ für die Nutzer, heißt es aus der Kommunikationsabteilung. Konkrete Zahlen zu Besuchern und Besuchen der digitalen Ausgabe werden nicht genannt, sie dürften aber wohl hinter den Erwartungen der Macher und auch Marken zurück geblieben sein. Sie wird jedoch nicht abgeschaltet, sondern bei Minimalversorgung in eine Art Winterschlaf  versetzt, aus der sie mit dem Launch einer vollkommen überarbeiteten Plattform wieder erweckt werden soll. Wann genau das sein wird, dazu gibt es keine Angaben. Chief Communications Officer Tom Heise kommt jedoch ins Schwärmen, was die Neuauflage zu bieten haben wird: Eine Austauschplattform soll es werden, die als Arbeits- und Kommunikationstool die Branche vernetzt und dadurch komplett autark online bestehen soll, unabhängig von der physischen Messe. Ziel sei es, das Momentum der einzelnen Marken auf die Plattform zu übertragen.

Was nach einer guten Idee klingt, ist freilich nicht gänzlich neu. Die Messe München hatte diese Idee bereits vor einigen Jahren und schreibt sie in immer weiteren Kapiteln für die Ispo fort. Den ersten Schritt machte 2013 eine Crowdsourcing Plattform für intelligente Produktentwicklung. Die Plattform verzeichnet nach eigenen Angaben derzeit über 43.000 registrierte Mitglieder aus aller Welt. Der nächste Schritt folgte im Januar 2016 mit dem Relaunch von Ispo.com, der das Ziel hatte, sich mit einer stärkeren Ausrichtung auf Content Marketing, einem neuen Look & Feel und kreativen redaktionellen Formaten neu zu positionieren, um B2B und B2C Sport Professionals über relevante Brancheninformationen tagesaktuell informieren zu können. Der Plan ist aufgegangen: Der Webauftritt hat sich mit über fünf Millionen  unique visitors seit Januar 2016 zu einem Leitmedium der Branche entwickelt. „Unser Geschäft ist es nicht mehr, Quadratmeter zu verkaufen, sondern wertvolle Verbindungen zu schaffen“, so Tobias Gröber, Director der Ispo Group.

Um dieses Ziel zu erreichen, digitalisiert sich die Ispo nicht nur selbst, sondern schafft auch ein Forum, um der Sports-Business-Branche bei der Digitalisierung zu helfen. Die erste Auflage des Formats „Ispo Digitize“ wird von 28. bis 29. Juni 2018 im Internationalen Congress Center München ICM stattfinden und soll künftig jährlich durchgeführt werden. Erklärtes Ziel ist es, die Sportindustrie und den Sportfachhandel zu stärken und in eine digitale, wettbewerbsfähige Zukunft zu führen.

An der Erweiterung der digitalen Angebote wird bereits gearbeitet. Zuletzt wurde eine Kooperation mit der B2C-Plattform Tmall der Alibaba Group bekannt gegeben. Ispo-Kunden können durch die Zusammenarbeit ihr E-Commerce-Geschäft einfacher nach China ausweiten. Für 2019 planen die Partner gemeinsame New Retail-Kooperationen, um die Ausstellung mit innovativen Technologien aufzurüsten. „Ispo ist bei der Digitalisierung ein Vorreiter in unserem Portfolio“, sagt der Münchner Messechef Klaus Dittrich. Weitere Segmente könnten dem Beispiel wohl bald folgen.

Foto: Panorama Fashion Fair Berlin / Julia Luka Lila Nitzschke

kf@expocheck
03. Mai 201815:51

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