Einblick in die neue Cebit

Einblick in die neue Cebit

Maximaler Coolness-Faktor

Disruption als Geschäftsmodell, Digitalisierung als Fest: Die nächste Generation der Entscheider soll auf der Cebit in Hannover Geschäfte machen – und sich wohlfühlen. Neben mehr Leads und mehr Erlebnis soll es in Hannover auch mehr Inspiration geben.

„Warum soll es denn keinen Spaß machen, Geschäfte zu machen? Natürlich geht es bei der Cebit ums Geschäft. Das kann doch auch Freude bereiten.“ Oliver Frese, im Vorstand der Deutschen Messe zuständig für das Format, bedauert, dass die Deutschen damit so hadern und bemüht sind, Business und Freude stets getrennt zu betrachten und nicht im Kontext.  Aber das ist es nicht allein, was aus der IT-Messe ein digitales Festival werden lässt. Frese gibt zu: „Für einen Teil unserer anvisierten Besucherzielgruppe war die Cebit schlicht uncool.“ Dieser Teil, das sind die Jungen, die Digital Natives. Anzug und Schlips, das werde es auf der Cebit sicherlich auch künftig noch geben, aber das IT-Business-Event soll auch für die interessanter und attraktiver werden, die für die künftige Wertschöpfung verantwortlich zeichnen werden. Deshalb gilt für das neue Format: maximaler Coolness-Faktor.

„Forget all about Cebit“, forderten die Macher bei der Verkündung des neuen Konzeptes im März 2017. Natürlich solle 30 Jahre IT-Geschichte nicht vergessen gemacht werden. Frese: „Wir haben damit deutlich gemacht, dass wir es ernst meinen, nicht nur ein bisschen weiter entwickeln, sondern mit der Veranstaltung jetzt völlig neue Wege gehen.“ Cebit und neue Wege – das hören Aussteller und Besucher nicht zum ersten Mal. Auch dass sie sich neu erfindet, klingt für diese Messe schon wie ein Mantra. Kaum eine andere Veranstaltung häutete sich im Verlauf ihrer Geschichte so wie eben jene Cebit. Für Frese kein Problem: „Die Märkte verändern sich ständig, ihre Plattformen auch.“ Die Cebit sei das „plakative Beispiel“ – Disruption als Geschäftsmodell.

Jetzt also wieder „alles neu“. Aber diesmal ändert sich laut Frese tatsächlich alles, außer Name und Hannover als Ort. Aus März wird Juni, die Messe wird ein In- und Outdoor-Event – und ein cooles Erlebnis obendrein. Vom 11. bis 15. Juni wird deshalb wohl wieder Expo-Feeling auf dem Messegelände herrschen. Viele Hannoveraner sind schon ganz heiß darauf, abends rauszufahren und die Cebit live zu erleben – Neugierde spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Auch die Öffnungszeiten ändern sich:  9.00 bis 18.00 Uhr? Das war einmal. Die Messe wird von 10.00 bis 19.00 Uhr geöffnet haben. Dann schließen die Hallen – und das Fest geht unter dem Holzdach los oder weiter – je nach Sichtweise, bis 23.00 Uhr.

Als die Messemacher nach der Cebit im März 2017 ankündigten, die Messe in den Juni zu verlegen und sie zu einem Digitalfestival umgestalten zu wollen, knallten nicht überall Sektkorken. Auf der einen Seite wurde die Überraschung gefeiert, es gab aber auch Skeptiker, gerade bei den Ausstellern.  Die Hotellerie in Hannover äußerte sich zunächst entsetzt. Was überstürzt rüberkam, hatte aber Kalkül. Und inzwischen haben sich die Wogen auch geglättet. Aus anfänglichem Bedenken ist für viele die Chance geworden, sich anders zu präsentieren, sich zu verjüngen – und damit neue Zielgruppen zu erschließen.

Nicht nur beim Konzept bleibt kein Stein auf dem anderen, auch bei der Geländeplanung. Die Aussteller werden umziehen in die Hallen 9 bis 13, 14 bis 17 und 25 bis 27 sowie auf den zentralen Bereich rund um das Expo-Dach. Dort bietet die Veranstaltung mehr Raum für Aktivitäten, Showcases und Networking. SAP, Salesforce, IBM und viele andere denken neu – und auch Volkswagen will sich groß einbringen. Die Beteiligungspreise wurden deutlich überarbeitet. Das Preisgefüge wurde entrümpelt. Aus 39 Einzelposten haben sich vormals die Kosten für die Aussteller zusammengesetzt, jetzt gibt es einen Einheitspreis. Der Quadratmeter kostet 250 Euro inklusive allem. „Wir haben die komplizierten Listen und Preismodelle entschlackt.“ Vermarktet wird die Cebit jetzt aber auch mit Paketpreisen. Große Überraschung für die Macher: Ihre Kunden verstehen sich viel stärker als Partner denn als ausstellende Unternehmen und bringen sich an vielen Stellen ein, etwa mit Aktivitäten auf dem Außengelände oder in den Vortragssälen. „Der Quadratmeterpreis ist zwar noch da, aber es verschiebt sich gerade in Richtung Beteiligungspakete“, so Frese.

Auf ein Leitthema für die Cebit verzichten die Macher. „In der Digitalisierung gibt es so viele Themen, die kommen und gehen. Der Innovationszyklus ist zu schnell, um ein Jahr lang ein Motto zu spielen“, sagt Oliver Frese. Die Top-Themen ergeben sich und werden parallel auf den d!talk-Bühnen behandelt.“ Das Nichtfestlegen erlaube zudem ein „agiles Gestalten der Kommunikation“. Oliver Frese will auf der Cebit nicht mehr als einen 360-Grad-Blick auf die Digitalisierung von Unternehmen, Verwaltung und Gesellschaft ermöglichen. Und der soll auch Spaß machen.

Foto: Deutsche Messe

_ch@expocheck
19. April 201815:04

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