Imposantes Indien

Imposantes Indien

Zukunftsmarkt mit vielen Baustellen

Das Messegelände ist schon jetzt beeindruckend, obwohl noch nicht fertig. Durch die werdenden Hallen rollen noch die Schaufellader, an der Außenfront werden große Glasscheiben montiert, die Rolltreppen in die oberen Geschosse sind aber schon eingebaut. Der mächtige Bau entsteht im glitzernden Bankenviertel Mumbais, wenige Kilometer vom Flughafen entfernt. Doch den Komplex  schlicht Messegelände zu nennen greift etwas zu kurz. Das Projekt in Bandra Kurla beinhaltet nicht nur drei Hallenebenen mit je 15.000 Quadratmetern weitgehend stützenfreier Fläche, sondern auch noch eine Shopping Mall, Hotels, viele flexibel nutzbare Räume, Meeting-Spaces, Fernsehstudios – und ein Theater mit allen modernen Finessen, von dem aus auch die Oscar-Verleihung in alle Welt gesendet werden könnte. Etwa 790.000 Quadratmeter misst das Vorhaben gegenüber dem amerikanischen Konsulat, nach der Fertigstellung soll es mindestens 2.000 Menschen Arbeit bieten. Reliance Jio Centre heißt es und für Sarvesh Jain, Vice President Operations, steht außer Frage: „Es wird das größte Messegelände in Indien und eindeutig das Beste sein.“ Er spricht von „World Class mixed use Quality“. Etwa drei Milliarden US-Dollar beträgt das Investment von Reliance Industries –für Indiens größtes privates Unternehmen „ein eher kleiner Fisch“.

Bereits im Jahr 2007 war mit den Bauarbeiten begonnen worden, 2012 hätte der Komplex eigentlich fertig sein sollen. Eigentlich. Dass das Messezentrum mit Hotel und weiterer Infrastruktur jetzt erst 2019 und sukzessive in Betrieb geht, liegt nicht an Verzögerungen im Baubetrieb, sondern an einem Bruderzwist, sprich: Erbstreitigkeiten. Nach dem Tod des Reliance-Firmengründers Dhirubhai Ambani stritten dessen Söhne Mukesh und Anil um das Unternehmen, Immobilien und damit Messe & Co. Und Indiens Gerichte sind nicht die schnellsten. Denn dieser Zwist war nur einer der zahlreichen Differenzen. Die Brüder hatten sich schon nicht über eine gemeinsame Leitung des Unternehmens einigen können: Es wurde daraufhin geteilt. Jetzt vollendet also Mukesh Ambani, der als reichster Mann Indiens gilt, was 2007 begonnen wurde. 

Platz ist Mangelware und Messeflächen sind es ebenso. Das derzeit wichtigste Gelände ist das Bombay Convention & Exhibition Centre (BCEC) mit rund 41.000 Quadratmetern Hallenfläche. Viele Messemacher vergleichen sie eher mit alten Werkshallen – vom Fußboden bis zum Träger (auch wenn sich dort schon viel getan hat): Noch ist das Bombay Exhibition Centre eines der bedeutendsten Messeplätze Indiens – bislang mangels anderer Möglichkeiten in der teuren Boomstadt. Über den neuen Komplex sagt Reliance-Mann Jain denn auch selbstbewusst: „Wir wollen zeigen, was möglich ist.“ Wenn Geld keine Rolle spielt, ist es ein Leichtes, der Nummer-eins-Komplex in Indien zu werden. „Das ist das erklärte Ziel“, so Jain. Nicht nur das Gelände soll State oft the Art sein, auch das Sicherheitskonzept. Deshalb habe das Vorhaben auch keine wirklichen Wettbewerber. An der Metro, die das neue Messegelände, Stadt und den internationalen Flughafen miteinander verbinden soll, wird ebenfalls fleißig gearbeitet. Sarvesh Jain hofft, dass sie 2021/2022 in Betrieb gehen wird.

Foto: Pixabay

ch@expocheck
05. Juli 201815:44

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