Mehrwert durch Digitalisierung

Mehrwert durch Digitalisierung

Auf dem Weg

Neuland? Das ist die Digitalisierung deutscher Messegesellschaften nach eigenen Angaben längst nicht mehr. Anmeldungen von Ausstellern und Besuchern sowie die Buchung von Services seien bereits seit etlicher Zeit auf elektronischem Wege möglich und würden inzwischen so gut wie ausschließlich auch auf diesem erfolgen, so der Tenor. „Alle Leistungen für Aussteller können digital geordert werden“, beschreibt es Christian Plenge, der seit November 2017 den neuen Geschäftsbereich Digitale Strategie und Kommunikation der Messe Düsseldorf leitet. Ein umfassendes Shop-System hat auch die Messe Frankfurt seit 2016 in Betrieb. „Die Digitalisierung des Shops liefert Transparenz“, erläutert Andreas Winckler, der seit Oktober 2017 als Chief of Information Technology diesen Bereich in der Geschäftsleitung der Messe Frankfurt verantwortet, den zentralen Vorteil. Aussteller seien besser informiert und Beratungsgespräche könnten auf einem konkreteren Niveau einsteigen – durchaus verbunden mit einem Trading-up der Leistungen.

Bei der Entwicklung neuer digitaler Services konzentriert man sich in Frankfurt auf das, was wirklich gebraucht wird. „Die Leitfrage lautet: Sieht der Aussteller einen Nutzen darin?“, formuliert Iris Jeglitza-Moshage, in der Geschäftsleitung der Messe Frankfurt als Chief of Communications und Senior Vice President Technology, den Anspruch. Auch in Hannover hat man sich das Ziel gesetzt, deutlich kundenorientierter zu werden und dafür mit der Gründung eines Digitalbereiches, der alle Aktivitäten des Unternehmens bündelt, die Voraussetzung geschaffen. „Digital Business & Transformation“ heißt diese Einheit der Deutschen Messe, die von Michael Mollath, dem Chief Digital Officer, geleitet wird. Die Arbeitsabläufe der Aussteller vereinfachen und beschleunigen, das ist ein zentraler Anspruch, den die Messegesellschaften an ihre Digitalisierungsaktivitäten formulieren. Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, bringt es auf den Punkt: „Mit unseren digitalen Produkten und Services erleichtern wir den Ausstellern die Arbeit vor, während und nach einer Messe.“ Dazu zählen in München und andernorts digitale Austellerverzeichnisse, die vielfältige Möglichkeiten der Unternehmenspräsentation bieten.

Beim Thema standortbezogene Indoor- Navigation für Besucher gehen die Meinungen auseinander. Während Christian Plenge daran glaubt, dass eine digitalgestützte Indoor-Navigation zukünftig als Hygienefaktor verpflichtend sein wird, teilt Andreas Winckler das nicht. Die Frankfurter hatten nach eigener Aussage bereits 2010 eine fertige Indoor-Navigationslösung erarbeitet, doch diese wurde zu wenig nachgefragt. Angesichts der durch solche Navigationsangebote auflaufenden Daten wird man am Main möglicherweise seine Meinung noch mal überdenken. In Hannover sind nach Aussage von Michael Mollath alle „Datentöpfe“ so weit konsolidiert, dass ein 360 Grad Blick auf den Kunden genommen werden kann. Auch die Münchner sind diesbezüglich agil, denn, so Messechef Klaus Dittrich: „Ohne eine qualifiziere Datenbasis hilft das beste digitale Angebot nichts.“ Neben dem Schlagwort Daten ist Schnelligkeit ein Begriff, der im Zusammenhang mit Digitalisierung immer wieder fällt. Sowohl in Hannover als auch in Düsseldorf hat man sich auf die Fahnen geschrieben, Unternehmen dabei zu unterstützen, sich veränderten Marktbedingungen zügig anpassen zu können. „Digitale Transformation bedeutet, eine Organisation dazu zu befähigen, schnell auf Marktveränderungen reagieren zu können“, fasst Plenge zusammen. Das sieht Mollath genauso, und ergänzt: „Viele Unternehmen schaffen es nicht, schnell Lösungen für neue Rahmenbedingungen zu finden.“ Die Hannoveraner arbeiten daran, ihren Kunden dabei unter die Arme greifen zu können. Mit dieser Kompetenz im Gepäck zeichnen sich völlig neue Serviceangebote für Aussteller am Horizont ab – die sich beim Näherkommen hoffentlich nicht als Fata Morgana erweisen.

Foto: Deutsche Messe

kf@expocheck
22. März 201815:23

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