Produktfälschungen auf Messen

Produktfälschungen auf Messen

Wenn der Schein trügt

Birkenstock macht Schluss! Und zwar mit der Online-Handelsplattform Amazon. Der deutsche Schuhersteller stoppte zum 1. Januar 2018 die direkte Belieferung des Online-Giganten. Grund dafür sind die vielen Produktfälschungen, die auf der Plattform zu finden sind. Ein drastischer Schritt, den einige Unternehmen nur zu gut nachvollziehen können. Eine Studie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), die von Januar bis März 2016 193 Unternehmen zum Thema befragte, ergab: 70 Prozent der Unternehmen sind von Produktpiraterie betroffen. Speziell auf Messen, wo das Angebotsspektrum einer Branche auf einigen tausend Quadratmetern zusammengeführt wird, ist das Auftauchen von Produktkopien äußerst wahrscheinlich. Das bestätigt auch die Studie: 59 Prozent der Befragten gaben an, von der Existenz von Plagiaten auf Messen erfahren zu haben.

Die Veranstaltungsgesellschaften wissen: es besteht Handlungsbedarf. Viele der großen deutschen Eventveranstalter bieten im Rahmen ihrer Messen anwaltliche Hilfeleistungen und stehen in engem Kontakt zu Zoll und Polizei. Die Messe Frankfurt hat als erste Messegesellschaft 2006 eine Informations- und Serviceinitiative ins Leben gerufen, bei der Kunden und Ausstellern Handlungsoptionen im Falle eines Plagiatsverdachts aufgezeigt werden können. „Messe Frankfurt against Copying“ ist gewissermaßen eine Hilfe zur Selbsthilfe. Auch die Kölnmesse setzte ein Zeichen gegen Produktpiraterie: Sie bietet ihren Ausstellern mit der Initiative „No Copy! – Pro Original“ ebenfalls seit 2008 eine Anlaufstelle zur Einholung von Informationen und Kontaktdaten. Die Kölner arbeiten zusammen mit dem Deutschen Patent- und Markenamt, der Zentralstelle für gewerblichen Rechtsschutz sowie der Polizei Nordrhein-Westfalen um für sicheres Klima auf ihren Messen zu sorgen. Doch obwohl die Thematik zunehmend Gehör findet und Initiativen entwickelt werden, bestehen noch immer große Defizite. Vor allem die Situation im Ausland wird bemängelt. Über 80 Prozent der Unternehmen aus der Studie halten die Plagiatssituation auf internationalen Messen für ungenügend.

Insbesondere das Internet und die digitale Kommunikation sind zum Haupttreiber von Produkt- und Markenpiraterie geworden. Vermeintliche Markenprodukte können rund um die Uhr zu Spottpreisen erworben werden. Internationale Polizeibehörden lassen jährlich zehntausende Webseiten wegen Handels mit gefälschten Produkten schließen, dennoch ist das Angebot rechtswidriger Marken- und Designprodukte sowie Onlineportalen die sie verkaufen, ungebrochen hoch.

Um mehr Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit für das Thema zu generieren und um dafür zu sensibilisieren, verleiht die Aktion Plagiarius seit 1977 jährlich den Negativpreis „Plagiarius“ an Hersteller besonders dreister Fälschungen. Der kleine schwarze Zwerg mit der goldenen Nase steht symbolisch für die immensen Profite, die sich die Produktpiraterie jährlich auf Kosten der kreativen Markenhersteller in die Taschen erwirtschaftet. Der Sieger 2018 wurde auf der Ambiente in Frankfurt bekanntgegeben: Das Küchen-Schneidgerät „Nicer Dicer Plus“, welches von der Genius Gesellschaft, Limburg, im Original hergestellt wird sicherte sich die Goldmedaille. Fälscher ist die chinesische Firma Pingyang County Leyi Gift, die unzählige Genius-Produkte kopierte und diese Online, auf Messen, auf Märkten und per Katalog bewirbt. Der zweite Platzt ging an den aufblasbaren Wasserpark „Wibit Sports Park XL“ von der Firma Wibit Sports, Bocholt, der vom chinesischen Hersteller Sunny Kingdom plagiiert wurde. Der Nachahmer kopierte den gesamten Sports Park mit allen Details, bis hin zu den Rettungswesten. Die Bronzemedaille erhielt der Rutscher „Punky Racer“, der Punky Gesellschaft in Wülfrath. Auch ihr Produkt wurde durch einen chinesischen Hersteller genauestens imitiert. Zu sehen gibt es die Sieger und die anderen Preisträger der spektakulären Verleihung im Museum Plagiarius in Solingen.

Foto: Aktion Plagiarius - Links das Original, rechts die Fälschung

sg@expocheck
05. April 201813:15
Schaltschrank-Heizgerät. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion PlagiariusSchaltschrank-Heizgerät. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius
„Nicer Dicer Plus“. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius„Nicer Dicer Plus“. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius
Wasserpark „Wibit Sports Park XL“. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion PlagiariusWasserpark „Wibit Sports Park XL“. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius
„PUKY Racer“. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius„PUKY Racer“. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius
Schaltschrank-Heizgerät. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion PlagiariusSchaltschrank-Heizgerät. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius
„Nicer Dicer Plus“. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius„Nicer Dicer Plus“. Links das Original, rechts die Fälschung. Foto: Aktion Plagiarius

Tagskategorien