VDMA-Studie Produktpiraterie

VDMA-Studie Produktpiraterie

Viel Raum für Verbesserungen

Produktpiraterie und Know-how-Diebstahl fügen den Maschinen- und Anlagenbauern trotz vieler Abwehrbemühungen weiterhin einen erheblichen Schaden zu. Schätzungen zufolge beläuft er sich auf 7,3 Milliarden Euro jährlich, das entspricht knapp 33.000 Stellen. 71 Prozent der deutschen Unternehmen in diesem Sektor sind von Produkt- oder Markenpiraterie betroffen. Fälschungen aus China bleiben mit weitem Abstand der größte Gefahrenherd, „hier hat sich in den vergangenen beiden Jahren trotz vieler Ankündigungen nicht wirklich etwas verbessert“, sagte Steffen Zimmermann, Leiter VDMA Competence Center Industrial Security, zu den Ergebnissen der Studie Produktpiraterie 2018, die der Verband auf der Hannover Messe (23. bis 27. April 2018) präsentierte.

Im Vergleich zur vorangegangenen Studie von 2016 habe sich der absolute Unternehmensschaden nicht geändert. Allerdings habe sich für 39 Prozent der Befragten die Schädigung und Bedrohung ihrer Unternehmen durch Produktfälschung in den vergangenen beiden Jahren weiter verschärft. Standen bisher rein technische Nachbauten im Fokus, werden jetzt verstärkt Imitationen des äußeren Erscheinungsbildes oder ganzer Marken zum Problem, um über optische Nachahmung am guten Image eines Unternehmens teilzuhaben. Nach den Ergebnissen der Studie bleibt die Volksrepublik China sowohl im Vertrieb, aber besonders in der Herstellung von Plagiaten unangefochten an der Spitze. Dahinter folgt mit deutlichem Abstand die heimische Konkurrenz.

Zimmermann bedauerte: „Häufig berichten uns VDMA-Mitglieder – selbst in Deutschland – von Händlern und Fälschern, die ihre Produkte trotz rechtskräftiger Urteile mit nur geringfügigen Änderungen weiterverkaufen oder selbst nach etlichen Plagiatsfällen unvermindert auf Messen angetroffen werden.“ Das scheint vor allem international ein Problem: 83 Prozent der vom VDMA Befragten fehlt das nötige Engagement der lokalen Messegesellschaften im Ausland. Es bestünde noch sehr viel Raum für Verbesserungen. So kritisierten Studienteilnehmer beispielsweise, dass Veranstalter Anträge auf Razzien nur vor Messestart zulassen, woraufhin auf neue Plagiatoren nicht mehr reagiert werden kann, oder selbst für bekannte Fälscher kein Teilnahmeverbot ausgesprochen wird. Ihre Mutmaßungen: Die Messebetreiber fürchten um ihre Geschäfte.

 Foto: VDMA / Janto Trappe

ch@expocheck
22. Juni 201812:17

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