Zeitdruck II

Zeitdruck II

Kleinere Stände sind keine Option

Die Auf- und Abbauzeiten auf Messen werden zusehends kürzer. Und das sehr zum Leidwesen der ausstellenden Wirtschaft. Sie müssen unter enormem Zeitdruck qualitativ hochwertige Messestände vorweisen. Dass diese beiden Komponenten schwierig zu vereinen sind, ist klar. Der These, dass der Termindruck bei den Auf-und Abbauzeiten die Standgröße regulieren könnte, kann Nils Passoter, Messeverantwortlicher von Weidmüller, Detmold, nicht zustimmen: „Die Anpassung der Standgröße sehe ich nur als Ultima Ratio – und als reines Gedankenspiel.“ Zuvor werde die Bauform des Standes auf die Aufbauzeiten angepasst. André Flinterhoff, Gründer von Nordic Ocean Design Management, Kleinmachnow, stimmt seinem Kollegen zu. „Die Aufbauzeit reguliert zwar nicht zuvorderst die Größe eines Standes, aber die Qualität. Wir müssen den Aspekt fehlender Zeit häufiger bei der Standgestaltung einfließen lassen“, so der langjährige Leiter Brand Spaces & Corporate Spaces bei Schüco in Bielefeld.

Ohne vorgezogenen Aufbau sind große Markenräume nicht mehr zu machen. Jochen Metzner, Director Fairs bei Siemens, kann das Verhalten der Veranstalter nicht immer nachvollziehen: „Sie wollen Siemens als Zugpferd, legen Wert auf qualitativ hochwertige Messestände und machen uns dann deren Realisierung nicht immer leicht. Warum eigentlich? Es ist doch für beide Seiten eine Win-Win-Situation.“ In der Tat ist der Auftritt des Münchner Konzerns etwa auf der Hannover Messe Magnet für zahllose interessierte Besucher aus aller Welt. Dermaßen auf dem Präsentierteller, muss Siemens die Hallen schon vor dem offiziellen Baubeginn nutzen. Natürlich müsse ein Unternehmen, das den vorgezogenen Aufbau nutzt, auch für die Zusatzkosten aufkommen wie etwa die von Energie, Sicherheit oder Service. Passoter mahnt jedoch: „Nach dem Verursacherprinzip kann ich mit der Berechnung gut leben. Das darf sich aber nicht zu einer lukrativen Einnahmequelle für Veranstalter entwickeln. Die Maxime dazu wären Transparenz und Gewinnerzielungsverbot.“ Die Kosten für den vorgezogenen Aufbau seien nicht transparent und in der Regel nicht nachzuvollziehen. Robert Sarga, Leiter des Servicecenters Medien und Kommunikation bei BASF: „Ich kann die Aufbauzeit nicht zu kurz ansetzen und im nächsten Schritt einen kostenpflichtigen, vorgezogenen Aufbau anbieten.“ Er geht die Sache pragmatisch an: „Wenn die Bauzeit beispielsweise keine zweigeschossige Bauweise erlaubt, versuchen wir – soweit möglich – bereits in der Planungsphase zusammen mit den internen Auftraggebern alternative Standkonzepte zu entwickeln.“ Maßgeblich für das Standbaukonzept bei Weidmüller sind zuerst die Ziele und nicht die Standgröße, diese ist „nur“ Rahmenbedingung. Für André Flinterhoff ist klar: „Es muss im Interesse der hiesigen Veranstalter liegen, dass das Niveau von Markenauftritten weiterhin sehr hoch bleibt, um gegenüber Messeplätzen im Ausland einen wichtigen Attraktivitätsfaktor zu behalten.“

Teil I der Serie findet sich hier: Zeitdruck I

Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann

_ch@expocheck
23. November 201716:52

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