Zeitdruck III

Zeitdruck III

Das eigentlich Unmögliche möglich machen

Die immer kürzer werdenden Auf-und Abbauzeiten auf Events setzten die Messebauunternehmen mächtig unter Druck. Große Anfertigungen müssen in kürzester Zeit errichtet werden – und das möglichst kosteneffizient. Die Stimmen der Messe-Experten werden daher immer lauter.

Klaus Günter ist sicher: „Wenn sich der Trend zu immer kürzeren Aufbauzeiten verfestigt, wird es mittelfristig ein Umdenken in der Branche geben müssen“. Für ausstellende Unternehmen heißt das: höhere Kosten. Günter, Geschäftsführer und Architekt bei Kohlhaas Messebau in Germering bei München, weiß: Zeitdruck und qualitativ hochwertige Messeauftritte – das passt nicht zusammen. Michael Kuhn, Projekt RK: „Um es auf die Unternehmensebene zurückzubringen: Die Jubiläumsfeier seines Unternehmens würde man nicht in kürzester Zeit aus dem Boden stampfen. Dies führt zu Kompromissen, die einerseits Geld kosten und andererseits wichtige Aspekte, wie etwa Nachhaltigkeit zu wenig oder gar nicht berücksichtigen.“ Thomas Licht stimmt seinem Kollegen zu: „Der kreative Prozess wird massiv eingeschränkt; unter Zeitdruck kann kein inspirativer Austausch zwischen Kunde und Agentur stattfinden“, sagt der Chief Commercial Officer Europe von Uniplan, Köln. Licht: „Auf der Produktionsseite begegnen wir einer eingeschränkten Beschaffungssituation, die meist in hohen Mehrkosten resultiert und bei einer langfristig angelegten Planung vermeidbar wäre.“ Ein individuelles, hochwertig produziertes Standkonzept, das sich in ein strategisch-kommunikatives Gesamtgefüge eingliedert, entstehe nicht innerhalb weniger Wochen, sagen sie unisono.

Die größte Schwierigkeit beim Arbeiten unter immensem Zeitdruck: die Logistik. „Die größten Knackpunkte liegen in der Beschaffung von Materialien und in der Logistik vor Ort. Je kurzfristiger Dinge beschafft werden müssen, desto aufwändiger und weniger nachhaltig erfolgt es. Die Logistik wird kostenintensiver und ist dennoch nur bedingt beeinflussbar“, sagt Michael Kuhn. Die Qualität eines ausführenden Betriebes bemisst sich für ihn daran, wie gut die Planung ist und dass eventuelle Fehler ausgemerzt werden können, ohne das der Auftraggeber es merkt. „Dies ist bei extrem kurzen Zeiten kaum mehr möglich“, so der Geschäftsführer von RK, das von Stäbelow bei Rostock aus agiert. Auch für Klaus Günter liegt die größte Herausforderung eines begrenzten Aufbaus in der Logistik. „Bauteile werden in größeren Einheiten vorgefertigt, die Abläufe vor Ort optimiert. Der Knackpunkt ist hierbei die fehlende Reaktionsfähigkeit.“ Michael Kuhn stimmt zu. Es gebe derzeit „erhebliche Probleme hinsichtlich der Logistik vor und auf den Geländen und aus meiner Sicht sind die zum Teil gut gedachten Ansätze einiger Messeplätze zu unflexibel.“

Alexander Schmidt, Geschäftsführer bei Evenco in Witten, der im Fachverband Famab das Vorstandsressort Technik und Umwelt leitet, macht noch eine andere Baustelle auf: „Größere Schwierigkeiten bereiten uns die immer später erteilten Zusagen der ausstellenden Unternehmen. Kurzfristige Auftragserteilungen verursachen eine unsichere Auftragsplanung.“ Schmidt fügt hinzu: „Sicher ist es möglich, Messebauunternehmen angemessen frühzeitig zu beauftragen. Immerhin profitieren hiervon beide Seiten.“

Weitere Stimmen aus der Branche? Wir haben mehr in Teil I und II.

Foto: Siemens

_ch@expocheck
01. Dezember 201715:53

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